We support the Hamburg Declaration "Every child has the right to learn reading"

Seit dem vergangenen Dezember wissen wir: Knapp ein Fünftel der Zehnjährigen in Deutschland kann nicht so lesen, dass der Text dabei auch verstanden wird (18.9%, Internationale IGLU-Studie 2016). ...

Jedes Kind muss lesen lernen! Hamburger Erklärung.

Seit dem vergangenen Dezember wissen wir: Knapp ein Fünftel der
Zehnjährigen in Deutschland kann nicht so lesen, dass der Text dabei auch
verstanden wird (18.9%, Internationale IGLU-Studie 2016). Im
internationalen Vergleich ist Deutschland damit seit 2001 von Platz 5 auf
Platz 21 aller beteiligten Länder abgerutscht und liegt unter dem EU- wie
dem OECD-Durchschnitt. Zudem ist Deutschland das Land, bei dem das
Ergebnis am stärksten von der sozialen Herkunft abhängt. Wer nach der
Grundschulzeit nicht sinnentnehmend lesen kann, wird es in den
weiterführenden Schulen nicht lernen. Denn hier wird Lesen nicht mehr
gelehrt, sondern vorausgesetzt.

Lesen ist noch immer DIE Schlüsselqualifikation für die Teilhabe an der
Gesellschaft. Die betroffenen 18,9 % der Kinder werden einmal unsere
Erwachsenen sein. Neben den Folgen, die eine fehlende Lesefähigkeit für
jeden einzelnen von ihnen haben wird, sind auch die Folgen für die
Gesellschaft insgesamt erschreckend. Ohne die Möglichkeit, einen
qualifizierten Beruf zu erlernen, werden die meisten dieser Menschen
vermutlich jahrzehntelang auf staatliche Unterstützung angewiesen sein.
Umso wichtiger, dass JETZT in die Bildungspolitik investiert wird. 
Die 16 Länder, die Deutschland im Ranking seit 2001 überholt haben,
beweisen, dass und wie es möglich ist, die Lesefähigkeit aller Kinder
signifikant zu steigern. Ein Land wie Deutschland, dessen wichtigste
wirtschaftliche Ressource ein hoher Bildungsstand seiner Bevölkerung ist,
kann das Thema nicht länger marginalisieren. Der Verweis auf gewachsene
Probleme in der Schülerschaft reicht nicht aus. Auf die Analyse muss die
Lösung folgen, und diese Lösung darf nicht länger an Elternhäuser und
Ehrenamtliche delegiert werden. Nur die Schule erreicht wirklich alle Kinder. 
Die Unterzeichner fordern die Politik in allen Bundesländern, die
Bundesministerin für Bildung und Forschung, die Kultusministerkonferenz
und die Bildungsminister aller Bundesländer daher dazu auf, für folgende
Punkte Sorge zu tragen:

  • Das Lesenlernen und Lesen muss sehr viel stärker in den Focus der
    Bildungspolitik rücken.
  • An den Grundschulen müssen frühzeitig Fördermaßnahmen in Kleingruppen
    eingeführt werden, die sich auf die reichlich vorliegenden Erkenntnisse der
    Leseforschung und die Erfahrungen der Lehrer stützen.
  • Diese Förderstunden dürfen nicht für Vertretungsunterricht
    zweckentfremdet werden.
  • Es müssen ausreichend Grundschullehrer eingestellt werden, um dieses Ziel
    umzusetzen. Das heißt: An den Hochschulen müssen deutlich mehr
    Studienplätze für die Lehrerausbildung geschaffen werden.
  • Es muss Schulbibliotheken, Lesungen und Lektüreprogramme gerade auch
    an solchen Schulen geben, deren Schülerschaft eher bildungsfern ist. Die
    Lektüre altersgerechter Bücher vermittelt die Fähigkeit, komplexere
    Zusammenhänge aus längeren Texten zu entnehmen. So kann man später
    zum Beispiel Zeitungsartikel lesen und verstehen.
  • Für all diese Zwecke müssen jetzt genügend Mittel in den Haushalten
    ausgewiesen werden. Das Lesen darf nicht den derzeitigen
    (kosten)intensiven Bemühungen um die Digitalisierung der Schulen zum
    Opfer fallen.

Unverbindliche Absichtserklärungen reichen nicht mehr aus. Deutsche
Grundschulen müssen es schaffen, alle Kinder das Lesen zu lehren!

Erstunterzeichner:
 
Christian Berg, Kindermusicalproduzent und Autor
Dr. Kirsten Boie, Kinderbuchautorin
Prof. Birgit Dankert, Bibliotheks- und Informationswissenschaftlerin
Klaus von Dohnanyi, ehemaliger Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg
Dr. Dagmar Gausmann-Läpple, Gründerin und Geschäftsführerin Kinderbuchhaus im Altonaer Museum
Prof. Dr. Michael Göring, Vorstandsvorsitzender ZEIT-Stiftung und Autor
Dr. Ulla Hahn, Autorin
Nikolaus Hansen, Harbourfront Literaturfestival Hamburg, Festivalleitung
Thomas Helfer, Vorsitzender Mentor. Die Leselernhelfer, Hamburg
Prof. Dr. Petra Hüttis-Graff, Universität Hamburg, Didaktik der deutschen
Sprache und Literatur Prof. Dr. Ute Krauß-Leichert, Professorin für Bibliotheks- und Informationsmanagement an der HAW Hamburg
Nina Kuhn-Moritz, Vorsitzende Seiteneinsteiger e.V. Hamburg
Dr. Stephan Loos, Direktor Katholische Akademie Hamburg
Prof. Dr. Rainer Moritz, Leiter des Literaturhauses Hamburg, Autor
Prof. Dr. Astrid Müller, Universität Hamburg, Didaktik der deutschen Sprache und Literatur
Alexander Röder, Hauptpastor St. Michaelis
Sybil Gräfin Schönfeldt, Autorin und Journalistin
Prof. Dr. med. Michael Schulte-Markwort, Ärztlicher Leiter Zentrum für Psychosoziale Medizin im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf; Ärztlicher Direktor Klinik Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und
–psychosomatik
Hella Schwemer-Martienßen, Bibliotheksdirektorin
Saša Stanišić, Autor
Bettina Tietjen, Moderatorin
Dr. Regula Venske, Schriftstellerin, Präsidentin des PEN-Zentrums Deutschland
Ulrich Wickert, Journalist und Autor
Prof. Dr. Thomas Zabka, Universität Hamburg, Didaktik der deutschen Sprache und Literatur

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